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Verluste beim Wegfall einer Option

Beim Erwerb einer Option liegen auch dann Verluste aus Kapitalvermögen vor, wenn der Erwerber die Option verfallen lässt (entgegen dem BMF). Im Übrigen ist das Werbungskostenabzugsverbot des § 20 Abs. 9 EStG verfassungsgemäß, so das BFH-Urteil vom 12.01.2016, IX R 48/14, veröffentlicht am 02.03.2016.

Zuentscheiden war, ob durch das Verfallenlassen von Aktienkaufoptionen einsteuerlich abzugsfähiger Verlust aus Kapitalvermögen zu berücksichtigenist.  Außerdem war streitig, obKreditzinsen zur Refinanzierung von Kapitalanlagen als Werbungskosten abziehbarsind. Die Entscheidung ging zur Rechtslage ab 01.01.2009.

 

Der BFHentschied gegen die Rechtsauffassung der Finanzverwaltung. Das Verfallenlasseneiner Option ist danach  als steuerbar zubehandeln  und mangels Einnahmen einVerlust  in Höhe der Anschaffungskosten.Das Verfallenlassen einer Option erfüllt den Tatbestand des § 20 Abs. 2Nr. 3 Buchst. a EStG (Termingeschäfte). Die vergeblich für den Erwerb von Optionenaufgewandten Anschaffungskosten sind Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichenZusammenhang mit dem Termingeschäft stehen und deshalb bei der Ermittlung desGewinns (oder Verlusts) abzuziehen sind. Die Anschaffung einer Option und derAusgang des Optionsgeschäfts müssen bei wirtschaftlicher Betrachtungsweisegrundsätzlich als Einheit betrachtet werden. § 20 Abs. 2 Nr. 3 Buchst. a EStGist daher dahingehend zu interpretieren, dass einen "Vorteil" auseinem Termingeschäft (Option) derjenige "erlangt", der mit dem Erwerbder Option das (bedingte) Recht auf einen Barausgleich erwirbt, gleichgültig ober den Barausgleich bei einer günstigen Wertentwicklung durchführt oder ob erbei einer ungünstigen Wertentwicklung das Recht verfallen lässt. DasWerbungskostenabzugsverbot nach § 20 Abs. 9 EStG steht dem Abzug derOptionsprämien nicht entgegen. Denn § 20 Abs. 4 S. 5 EStG geht alsSondervorschrift für die bei einem Termingeschäft angefallenen Aufwendungen demgrundsätzlichen Abzugsverbot vor.

 

Für dieKreditzinsen für die Anschaffung von Kapitalanlagen greift allerdings dasWerbungskostenabzugsverbot des § 20 Abs. 9 EStG ein. Der BFH verweist dazu aufein neueres Urteil (BFH v. 01.07.2014, VIII R 53/12, BStBl II 2014, 975). Ander Verfassungsmäßigkeit dieser Regelung bestehen für Finanzierungskosten keineZweifel. Die frühere  Rechtsprechung istmit der Einführung der Abgeltungsteuer ab 2009 und dem geändertenGesetzeswortlaut überholt.

erstellt am 16.03.2016

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