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BilRUG: Handlungsmöglichkeiten beim Jahresabschluss 2014 und 2015

Mit dem Bilanzrichtlinien-Umsetzungsgesetz (BilRUG) werden die Größenklassenkriterien rückwirkend ab dem Jahr 2014 für Kapitalgesellschaften oder gleichstellte Personenhandelsgesellschaften erhöht.. Damit kommen mehr Unternehmen in den Genuss von Erleichterungen bei der Jahresabschlusserstellung, Prüfung und Offenlegung.

Unternehmen gelten dann als klein, wenn sie nichtkapitalmarktorientiert sind und wenn sie an zwei aufeinander folgendenAbschlussstichtagen mindestens zwei der benannten Schwellenwerte unterschreiten:Dabei sind nach der aktuell verabschiedeten Gesetzesfassung bei Nutzung desWahlrechts zur frühzeitigen Anwendung (mit gleichzeitiger Verwendung der neuenUmsatzerlösdefinition) bis zum 31.12.2013 bzw. frühestens ab dem Geschäftsjahr2014 die folgenden Werte zu beachten:

  • Bilanzsumme 4,84 (bis 2013) /6,0 (ab 2014) Mio. Euro
  • Umsatzerlöse 9,86 (bis 2013) /12,0 (ab 2014) Mio. Euro
  • durchschnittliche Arbeitnehmerzahl 50

Pflichtgemäß sind die erhöhten Werte sowie die weiteren neuen Vorschriftendes BilRUG für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen,anzuwenden.

 

Als mittelgroß gilt eine Gesellschaft, die diese Werte überschreitetund auch nicht kapitalmarktorientiert ist, aber an zwei aufeinander folgendenAbschlussstichtagen mindestens zwei der nachfolgenden Schwellenwerteunterschreitet:

  • Bilanzsumme 19,25 (bis 2013) /20,0 (ab 2014) Mio. Euro
  • Umsatzerlöse 38,5 (bis 2013) /40,0 (ab 2014) Mio. Euro
  • durchschnittliche Arbeitnehmerzahl 250

Auch hier gelten die vorgenannten Anwendungszeitpunkte bei Nichtanwendungdes Wahlrechts entsprechend.

 

Bei der Einstufung ist nach § 267 Abs. 4 HGB auf zwei aufeinanderfolgende Geschäftsjahre abzustellen. Eine Kapitalgesellschaft ist damit zumAbschlussstichtag 31.12. 2014 auch dann klein, wenn sie zu diesem Stichtag undzum 31.12.2013 oder zum 31.12.2013 und zum 31.12.2012 zwei der drei Merkmalenach der Änderung (Bilanzsumme 6 Mio. Euro, Umsatzerlöse 12 Mio.Euro, 50 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt) nicht überschritten hat. Für dieAufstellung der Jahresabschlüsse zu den früheren Abschlussstichtagen verbleibtes hingegen dabei, dass die bisherigen Merkmale anzuwenden sind (Bilanzsumme4,84 Mio. Euro, Umsatzerlöse 9,68 Mio. Euro, 50 Beschäftigte imJahresdurchschnitt).

 

Voraussetzungen dervorzeitigen Anwendung

Die Änderungen in den §§ 267, 267a Abs. 1, § 277 Abs. 1sowie § 293 HGB-nF dürfen erstmals auf Jahres- und Konzernabschlüsse,Lageberichte und Konzernlageberichte für das nach dem 31.12.2013 beginnendeGeschäftsjahr angewendet werden, jedoch nur insgesamt.

 

Ausweitung der Umsatzerlösdefinition

Damit ist die Ausweitung der Umsatzerlösdefinition auf alle Erlöse aus demVerkauf und der Vermietung oder Verpachtung von Produkten sowie aus derErbringung von Dienstleistungen ohne die bisherige Einschränkung aufgewöhnliche und für das Unternehmen typische Erlöse auch bereits rückwirkend zubeachten, um vorzeitig eine geringere Unternehmensgrößenklasse zu erreichen.Dies bedeutet, dass es zu einer Aufhebung der Abgrenzung zu den sonstigenbetrieblichen Erträgen bzw. den außerordentlichen Erträgen kommt, wobeiLetztere ab dem Geschäftsjahr 2016 komplett aus der GuV-Gliederung entfallenund lediglich verkürzt im Anhang anzugeben sind.

Daher sind in den neu in § 277 Abs. 1 HGB-nF definiertenUmsatzerlösen neben den betriebszweckbedingten Erlösen etwa auch dieseErlöse unter den Umsatzerlösen zu verbuchen:

  • Erlöse aus der Kantine und
  • Erlöse aus nicht betrieblichen Mieterträgen.

 

Bei einer zunächst im Unternehmen genutzte Maschine, die später verkauftwird, wird auch weiterhin nur die Differenz zwischen Verkaufspreis und Buchwertunter Abgang Anlagevermögen in den sonstigen betrieblichen Erträgen / Aufwendungenzu erfassen sein. Mithin verlangen Produkte und Dienstleistungen ein Bezug zumUmlaufvermögen.

 

Zudem ist der analoge Aufwandsausweis sicherzustellen. Wenn in den Umsätzennun auch sonstige Erträge enthalten sind, dann müssen auch bei Anwendung desUmsatzkostenverfahrens die Herstellungskosten des Umsatzes die entsprechendenzugeordneten Aufwendungen enthalten; bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrenskommt es zu Verlagerungen von den sonstigen betrieblichen Aufwendungen in dieMaterial- und Personalaufwendungen.

 

Umstellung derKontierung

Dies bedeutet im Ergebnis einen erheblichen Umstellungsaufwand in derKontierung und bei angestrebter rückwirkender Anwendung eine nachträglicheDurchsicht und Korrektur der relevanten GuV-Konten.

erstellt am 20.10.2015

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