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Kryptowährungen – Bitcoins und Steuerrecht Rasante Entwicklungen

Fachartikel von Thomas Apitz
Bitcoin ist aktuell die mit Abstand prominenteste virtuelle Kryptowährung. Wer im vergangenen Jahr in Bitcoins oder andere Kryptowährungen investiert hat, konnte enorme Kursgewinne erzielen. Seit dem 01.01.2017 hat sich der Wert des Bitcoins zwischenzeitlich – Stand Anfang Februar 2018 – versiebenfacht und stieg seit Beginn sogar um mehr als 12.000 Prozent. Die Frage, die immer größer wird: Wie sind Bitcoins und andere virtuelle Währungen steuerrechtlich zu behandeln?


Die virtuelle Währung Bitcoin startete als Open-Source-Projekt des Entwicklers Satoshi Nakamoto und wird auch heute noch von einem Kern an Entwicklern weiterentwickelt. Über den Gründer oder die Gemeinschaft wird wild spekuliert und bis heute ist nicht klar, wer sich hinter diesem Namen verbirgt.
 
Die virtuelle Währung kann zwischenzeitlich für reine Zahlungsvorgänge bereits bei großen Unternehmen wie Lieferando oder aufgrund der hohen Volatilität zu Spekulationszwecken eingesetzt werden. Ebenso existieren eine Art Crowdfundingmodelle die Unternehmen über sog. ICO (Initial Coin Offering) ermöglichen sich selbst zu finanzieren.
 
Der Bitcoin ist eine sog. Kryptowährung in Form von virtuellem Geld. Der Besitz des virtuellen Geldes wird durch den Besitz kryptographischer Schlüssel nachgewiesen. Die Übertragung von Beträgen im Rahmen von Zahlungsvorgängen erfolgt direkt von Teilnehmer zu Teilnehmer. Der Gedanke der virtuellen Währung ist Dezentralität als direkte Verbindung der jeweiligen Beteiligten ohne die Abhängigkeit einer zentralen
Clearingstelle.
 
Das System basiert auf einer sogenannten Blockchaintechnologie, wobei die einzelnen Teilnehmer anonym sind, wenngleich die Blockchain hierbei in Form einer fortlaufenden Datenbank alle Transaktionen dokumentiert. Die Teilnahme am Markt erfolgt über elektronische Geldbeutel sog. „Wallets“.
 
Wurde eine Transaktion vorgenommen, muss diese erst in einem Validierungsprozess – dem sog. Mining durch aufwendige mathematische Berechnungen bestätigt werden. Jede Transaktion wird über eine Art Prüfsumme (Hash) mit der vorherigen Transaktion in der Blockchain gekoppelt. Die Veränderung einer Transaktion oder der Betrug ist somit nahezu unmöglich, da alle danach erfolgten Transaktionen ebenfalls geändert werden. Durch das Mining werden die einzelnen Transaktionen kontrolliert, überwacht und gewährleistet, dass alle Transaktionen in ihrer zeitlichen Abfolge eindeutig festgelegt sind.
 
Die große Akzeptanz, der bis derzeit fehlenden rechtlichen Regulierung und des Potenzials von Bitcoins hat dazu geführt, dass sich neben Bitcoin zahlreiche neue Kryptowährungen mit entwickelt und etabliert haben. Zu einer der populärsten neben Bitcoins zählen unter anderen Ethereum, Ripple und Litecoin die inzwischen eine Marktkapitalisierung im dreistelligen Millionenbereich erreicht haben. Damit greifen sie auch die Ursprungsidee, das globale Finanzsystem zu ersetzen, an.
 
Ertragssteuerliche Behandlung
Bitcoins sind im steuerlichen Sinne nicht als Zahlungsmittel oder E-Geld, wie beispielsweise der EURO oder US Dollar anzusehen. Von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wurden Bitcoins als sogenannte Rechnungseinheiten i. S. v. § 1 Abs. 11 Satz 1 Nr. 7 des Gesetzes über das Kreditwesen (KWG) eingestuft, die den Devisen gleichgestellt sind. Dieser Ansicht folgt das Bundesfinanzministerium. Dies bedeutet, dass Bitcoins im steuerlichen Sinne als immaterielle Wirtschaftsgüter anzusehen sind. Mit diesem Hintergrund können Bitcoins grundsätzlich zu Einkünften aus Gewerbebetrieb oder aus privaten Veräußerungsgeschäften führen. Die grundsätzliche Würdigung hängt damit davon ab, in welchem Umfang und auf welcher Art und Weise am digitalen Markt teilgenommen wird.
 
Bitcoin im privaten Bereich
Die reine Spekulation mit Bitcoins im Privatbereich ist grundsätzlich als privates Veräußerungsgeschäft anzusehen. Die hieraus erzielten Gewinne sind nur dann der Einkommensteuer zu unterwerfen, wenn Sie innerhalb der einjährigen Veräußerungsfrist erzielt werden und die Freigrenze von 600 EUR übersteigen. Gewinne mit Bitcoins, die länger als ein Jahr gehalten worden sind, unterliegen nicht der Einkommensteuer. Als Veräußerungsvorgang gilt auch der Einsatz von Bitcoins als Zahlungsmittel – Tausch gegen ein Wirtschaftsgut.
 
Wurden mehrere Bitcoins zu unterschiedlichen Zeitpunkten angeschafft, ist nach Auffassung der Finanzverwaltung die Fifo-Methode (First in – first out) i. S. § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 Einkommensteuergesetz anzuwenden. Die zuerst angeschafften Bitcoins gelten damit als zuerst veräußert. Eine sorgfältige Dokumentation der einzelnen Kaufdaten und –kurse sowie der Daten zum Verkauf ist in diesem Zusammenhang erheblich. Lediglich durch die Dokumentation der Einnahmen kann eine etwaige Steuerfreiheit gegenüber dem Finanzamt belegt werden. Die Gewinne unterliegen nicht der Abgeltungssteuer (25 Prozent) sondern ausschließlich dem persönlichen Steuersatz.
 
Bitcoin im gewerblichen Bereich
Werden Gewinne mit Bitcoins im Rahmen eines Gewerbebetriebs erwirtschaftet gilt die einjährige Spekulationsfrist nicht. Sämtliche Gewinne sind dann einkommensteuerlich zu berücksichtigen.
 
Das Betreiben von Mining ist, soweit es sich nicht um ein reines Verlustgeschäft handelt (Liebhaberei), als Gewerbebetrieb anzusehen. Werden hieraus Gewinne erzielt, sind diese ebenfalls ohne Anwendung der Einjahresfrist einkommensteuerlich zu berücksichtigen.
Hieran schließt sich u.a. die Registrierungspflicht beim Finanzamt und der Gemeinde (Gewerbeanmeldung) samt Gewerbesteuerpflicht an.
 
Umsatzsteuerliche Behandlung
Neben der ertragssteuerlichen Behandlung der Spekulation mit Bitcoins ist die rechtliche Auffassung der umsatzsteuerlichen Behandlung derzeit noch sehr ungewiss. Dies mit folgendem Hintergrund:
 
Ende 2015 erging ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (22.10.2015, C-264/14) in der Rechtssache Hedqvist, wonach der gewerbliche Umtausch von Bitcoins in konventionelle Währungen und umgekehrt eine Dienstleistung gegen Entgelt darstellt, die grundsätzlich gem. Art. 135 Abs. 1 Buchstabe e Mehrwertsteuersystemrichtlinie umsatzsteuerbefreit ist. Das Urteil erging jedoch nur in Zusammenhang der virtuellen Währung Bitcoin.
 
Ebenso ist die umsatzsteuerrechtliche Behandlung von Mining noch nicht abschließend geklärt. Hier wurde bereits eine Erörterung im Mehrwertsteuerausschuss durch die Europäische Kommission angestoßen. Die rechtliche Entwicklung bleibt spannend.
 
Ausblick
Das ergangene Urteil, die Ungewissheit der Finanzämter im Umgang mit Kryptowährungen sowie auch Fragen zur Besteuerung von Kryptowährungen aus der Politk (BT-Drucks. 19/370 vom 05.01.2018 – Anfrage Bundestagsabgeordnete Lisa Paus, Bündnis/Die Grünen) zeigen, dass eindeutige rechtliche Regelungen notwendig sind und die steuerlichen Fragen durch den Gesetzgeber konkretisiert werden müssen. Der Zukunft der rechtlichen Entwicklung von Kryptowährungen sehen wir daher gespannt ins Auge. Aufgrund der unterschiedlichsten steuerlichen Konsequenzen, dem noch nicht final geklärten rechtlichen Rahmenbedingungen, kann der vorstehende Artikel keine individuelle Beratung ersetzen. Gerne beraten wir Sie und zeigen Ihnen Gestaltungsmöglichkeiten auf. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.
 
erstellt am 22.03.2018

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