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Die Unternehmensfinanzierung im Wandel

Fachartikel von Hans-Lutz Hildebrandt
Mit Besorgnis ist die zunehmende Verweigerung der Finanzwirtschaft festzustellen, dass mittelständische Unternehmen kein Zugang zu zinsgünstigen, staatlich geförderten Krediten wie z.B. Wachstums- oder Liquiditätshilfe-Darlehen bzw. Eigenkapitalhilfe-Fördermittelkredite gewährt wird. Mangelnde Sicherheiten bzw. Eigenkapital werden hierbei als Ausschlusskriterien genannt.

Frage: Kann ein Unternehmer auch KFW- odersonstige Fördermittel-Darlehen bekommen, wenn dieser kein Eigenkapitalverwenden will?

Antwort: Ja – grundsätzlich kann und sollte derUnternehmer auch eigene finanzielle Mittel als Rücklagen verwenden und diestaatlich gewollte und auch angebotene Versorgung mit zinsgünstigenFinanzmitteln nutzen, um Wachstum und zugleich auch Liquidität durch Rücklagenim Unternehmen zu steigern.

Spätestens seit der Gültigkeit der Regelnvon Basel II stellt sich die Frage nach der optimalen Eigenkapitalausstattungmittelständischer Unternehmen und vor allem die, wie die vorhandeneEigenkapital-Lücke geschlossen werden kann.

Die klassische Fremdfinanzierung mittelsHausbankdarlehen, die bei kontinuierlicher positiver wirtschaftlicherEntwicklung die für die Unternehmen scheinbar günstigste Form der Unternehmens-Finanzierungist, zeigt sich insbesondere in wirtschaftlichen Krisenzeiten für eine optimaleUnternehmensfinanzierung den Regeln von Basel II nicht gewachsen. Gerade inFolge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise wird deutlich, dass aufgrund desbegrenzten Selbstfinanzierungspotentials durch Einlagen - Finanzierung,Gesellschafterdarlehen, sowie der Thesaurierung von Gewinnen dieEigenkapitallücke nur durch Quellen außerhalb des Unternehmenskreises gedecktwerden kann. Unternehmensfinanzierung ist durch Basel II zu einer strategischenManagementaufgabe geworden, der sich vor allem mittelständische Unter-nehmenmit der gleichen Sorgfalt widmen müssen, wie sie mit unternehmerischerEigenverantwortung, Intensität und Kreativität das operative Geschäft betreuen.Basel II und Rating verlangen eine professionelle Finanzierungsstrategie, diedie bisher auf Bankkredite orientierte Unternehmensfinanzierung neu gestaltenmuss. Insbesondere die stärkere Öffnung gegenüber den Kapitalmärkten ist imRahmen der Erschließung von alternativen Finanzierungswegen und -formen vonBedeutung.

Vorrangig ist dabei die Schließung derEigenkapitallücke durch eine verstärkte Nutzung von Eigenkapital- und Mezzanine-Finanzierungdurch eine nachhaltige Eigenkapitalstrategie im Unternehmen. Auch fürmittelständische Unternehmen eignen sich viele alternativeFinanzierungsinstrumente zur Stärkung der Eigenkapitalbasis.

Dabei stellen sich für Unternehmen vor allemfolgende Fragen:

 1) Welche Alternativen zu Bankkrediten sind realisierbar?

 2) Welche Vor- und Nachteile sind mit den einzelnenFinanzierungsformen verbunden?

Es müssen vor allem Partner außerhalb derbekannten Institutionen gefunden werden, die bereit sind, die notwendigenMittel in der geeigneten Finanzierungsform zur Verfügung zu stellen. Da für dieMehrheit der mittelständischen Unternehmen der klassische Weg derEigenkapitalbeschaffung von außen durch einen Börsengang nicht in Frage kommt,bietet sich vor allem Private Equity und Mezzanine-Kapital an, da sie die Eigenkapitalbasisstärken und somit die Finanzierungsstruktur und damit auch das Bonitätsratingverbessern.

Eine Stärkung des Eigenkapitals durchZuführung von außen darf allerdings nicht dazu führen, dass die Maßnahmen derInnenfinanzierung vernachlässigt werden. Zusätzliches Eigenkapital vonbestehenden Gesellschaftern und Schaffung von Liquidität aus dem Unternehmenheraus, z.B. Factoring, Forfaitierung, hat nach wie vor eine hohe Bedeutung.Hinzu kommt insbesondere für mittelständische Unternehmen der Abbau vonInformationsdefiziten zwischen Unternehmen und Kapitalgeber.

Eigenkapitalbedarfund Angebot

In einer Unternehmensbefragung, die die KfWzusammen mit 20 Wirtschaftsverbänden durch-geführt hat, berichten rund einDrittel der Befragten von Problemen bei der Unternehmens-finanzierung. Alswichtigsten Grund für abgelehnte Kreditwünsche wurde dabei die unzureichendeEigenkapitalquote ausgeführt.

Im Zuge der Finanzmarkt und Wirtschaftskrisedürfte die Möglichkeit der Eigenkapitalbildung aus Gewinnen eher eingeschränktbeurteilt werden. Darüber hinaus wird die Steuerpolitik aufgrund derangespannten Lage öffentlicher Haushalte und des damit vorhandeneneingeschränkten Handlungsspielraumes kaum in der Lage sein, unterstützend fürdie Eigenkapitalbildung mittels Innenfinanzierung von Unternehmen tätig zuwerden.

Für den klassischen kleineren Mittelstandund insbesondere für die Branchen der sogenannten „Old Economy“ ist der privateBeteiligungsmarkt kaum vorhanden. Der Grund liegt in erster Linie darin, dassprivate Eigenkapitalgeber in der Regel Eigenkapitalrenditen von 20 % und mehrerwarten, die von mittelständischen Unternehmen außerhalb innovativer Branchenin der Regel nicht zu erwirtschaften sind. Die Vorteile einer zumeistlangjährig stabilen Ertrags-und Umsatzentwicklung, aber dafür geringererRenditeerwartung, sind selten mit den Ertrags-und Renditeerwartungen privaterKapitalgeber in Übereinstimmung zu bringen.

Investitionsförderprogramme

Die positive wirtschaftliche Entwicklung inOstdeutschland, insbesondere die der gewerblichen Wirtschaft, wäre in denletzten zwei Jahrzehnten ohne öffentliche Förderung der Investitionen nicht möglichgewesen. Seit 1990 ist vor allem unterstützt durch staatlicheWirtschaftsförderprogramm (z.B. GA/GRW, EFRE, Eigenkapitalhilfe-Programme KfW)und steuerliche Hilfen (z.B. Investitionszulagen) eine sektoral breitaufgestellte mittelständische Wirtschaftsstruktur aufgebaut worden. Dies warnotwendig, da 1990 faktisch kein Kapitalstock für die gewerbliche Wirtschaft inOstdeutschland vorhanden war

Ziel der Investitionsförderung war derAufbau und die Entwicklung von modernen, leistungs-fähigen und zukunftsorientiertenUnternehmen. Die dabei inzwischen erreichten Ergebnisse zeigen, dass deranfangs zu verzeichnende dramatische Rückstand gegenüber den Unternehmen inWestdeutschland zwar deutlich verringert, aber vor allem die strukturellenDefizite bezüglich der Größe und der Kapitalkraft der Unternehmen noch nichtgänzlich überwunden werden konnten. Für die weitere Verbesserung derWettbewerbsfähigkeit werden deshalb auch weiterhin noch erheblicheInvestitionen notwendig sein.

Handlungsempfehlungenund Fazit

Die Beteiligungsprogramme von Bund undLändern (z.B. über die MBG) bieten mittelständischen Unternehmen dieMöglichkeit, in allen Unternehmensphasen und in allen Unternehmensgrößen nachden Programminhalten externes Eigenkapital zu erhalten. Ausgenommen sind davonUnternehmen in finanziellen Schwierigkeiten, die nur durch Zuführung vonexternem Eigenkapital die Möglichkeit haben, den Turnaround bis zurwirtschaftlichen und finanziellen Gesundung und der wirtschaftlichenAufwärtsentwicklung zu schaffen.

erstellt am 09.02.2017

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